Der Bauturbo startet – aber reicht der Schub?

Wohnungsnot ist sozialer Sprengstoff und führt zu Verteilungskämpfen im eigenen Land. Aus dieser Erkenntnis heraus und vor dem Hintergrund einer von Monat zu Monat dramatischer werdenden Situation am Wohnungsmarkt hat der Bundestag nun endlich(!) den sogenannten Bauturbo beschlossen – ein Gesetz, das vor allem die Ausweisung von Baulandflächen beschleunigen soll.

Genau genommen handelt es sich weniger um einen Bauturbo als um einen Bauland-Turbo: Er schafft die Voraussetzungen, damit künftig schneller gebaut werden kann.

Ich halte das für einen Schritt in die richtige Richtung. Denn wer über mehr Wohnraum spricht, muss auch über verfügbare Flächen sprechen. In vielen Regionen sind geeignete Grundstücke das eigentliche Nadelöhr – nicht der Wille zu bauen. Wenn künftig Verfahren vereinfacht, Planungszeiten drastisch verkürzt und kommunale Prozesse beschleunigt werden, könnte das tatsächlich Bewegung in den Markt bringen. So sollen künftig nur drei (!) Monate bis zur Genehmigung vergehen, auch für größere Bauvorhaben. Nicht in China, in Deutschland! Der erste Bauherr, der das hinbekommt, gehört wohl ins Guinness Buch der Rekorde. 

Voraussetzung ist eine Bauverwaltung vor Ort, die bereit ist, die Dinge neu zu denken, Blockaden aufgibt und sich dem gleichen Ziel verschreibt: Viel schneller viel mehr Wohnraum für unser Land. Und so wie die Verwaltung mitziehen muss, sind die Investoren und Projektentwickler in der Pflicht: Es geht um Wohnraum, nicht um Bodenspekulation. Echte Wertschöpfung für die Menschen in Deutschland kann nur dort entstehen, wo Rendite und gesellschaftlicher Nutzen zusammenkommen. 

Und noch etwas bleibt klar: Schnelleres Bauland allein reicht nicht aus. Ohne eine spürbare steuerliche Förderung des Wohnungsneubaus – etwa durch erhöhte degressive Abschreibungen oder weiter vereinfachte und verbesserte Förderprogramme – wird das Dilemma aus hohen Baukosten und immer noch anspruchsvollem Zinsumfeld kaum zu überwinden sein.

Was es jetzt also braucht, ist eine echte Investitionsoffensive für unser Land mit Rahmenbedingungen, die das Bauen wieder attraktiv machen – für private Bauherren, Projektentwickler und institutionelle Investoren. 

Trotz der vorhandenen Herausforderungen bleibt der heutige Beschluss ein ermutigendes Signal. Die Politik erkennt, dass dringender Handlungsbedarf besteht, dass der Wohnungsbau wieder in den Mittelpunkt rücken muss. Es ist ein Anfang – und hoffentlich der Auftakt zu einer umfassenden Offensive im Wohnungsneubau.

Ernst-M. Ehrenkönig · CEO & Managing Partner

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